Die stellvertretende SPD-Landesvorsitzende Annette Karl,MdL, und Landtagsabgeordneter Stefan Schuster in Weiden.Bayerns älteste Beschäftigte
Unter allen bayerischen Finanzämtern ist das Weidener Finanzamt dem Durchschnittsalter seiner Beschäftigten nach der Methusalem. 67,7 Prozent der Beamten sind über 50 Jahre alt und 18,8 Prozent schon jenseits der 60. „Ich wundere mich, wie meine Mitarbeiter bei den extrem hohen Belastungen gesundheitlich über die Runden kommen“, sagte der Amtsleiter, Leitender Regierungsdirektor Leopold Seibold.
Die Beschäftigten arbeiteten am Limit, fasste der stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Fragen des öffentlichen Dienstes, Landtagsabgeordneter Stefan Schuster (SPD), bei einem Pressegespräch sein Treffen mit dem Finanzamtschef zusammen.
Es sei auch um Möglichkeiten gegangen, die Einkommensteuerveranlagung von den Ballungsgebieten abzuziehen und aufs flache Land zu verlagern, was dort dringend benötigte Stellen schaffe. Weiden sei mit derzeit 34 Anwärtern (50 im nächsten Jahr) eines der größten Ausbildungsämter. Entgegen früheren Gepflogenheiten würden geprüfte Anwärter unmittelbar nach Bekanntwerden der Prüfungsergebnisse an ihre neuen Ämter abgezogen. Schuster: „Das betrifft Weiden, Hof und Bayreuth gleichermaßen.“ Der Wunsch, sie zur Personalverstärkung vier bis acht Wochen länger am Ort zu halten, was gleichsam ein „Ausgleich des Belastungsmehrwerts“ sei, werde bisher „von oben“ abgelehnt.
Die stellvertretende SPD-Landesvorsitzende MdL Annette Karl hatte
ihren Landtagskollegen bei der „Bayerntour“ nach Weiden eingeladen. Zu denken gab den beiden Genossen das hiesige Steueraufkommen, vor allem im Bereich der Körperschaftsteuer. Vom Aufschwung in der Region könne da keine Rede sein. Karl: „Wir müssen vor allem den kleineren und mittleren Unternehmen helfen.“
Anschließend trafen sich die Politiker zu einer Gesprächsrunde mit Personalräten aus den örtlichen Behörden. Es ging um die Abkehr von der 42-Stunden-Woche und um einen sofortigen Stopp des Stellenabbaus („allein der Fiskus will noch 345 Stellen streichen“). Ein Personalrat vom Finanzamt verlangte zudem leistungsgerechtere
Beförderungen in den unteren Besoldungsstufen.
Miserable Bedingungen
Ein weiterer Personalrat thematisierte den Geburtenrückgang. Dem müsse mit einer Anhebung der Anwärterbezüge begegnet werden. Nur so könne der öffentliche Dienst in Zukunft seine Nachwuchskräfte rekrutieren. Die Leute würden gebraucht, der Ausbildungsmarkt werde härter. „Die Wirtschaft schläft nicht.“ Annette Karl zog Bilanz: „Nur dem Korpsgeist der Mitarbeiter ist es zu verdanken, dass die Arbeit unter diesen miserablen Bedingungen überhaupt bewerkstelligt wird.“ Dies gelte für alle Behörden.
aus oberpfalznetz.de Text und Bild: Kunz