„Vorwärts zu einem modernen G9!“ - BayernSPD unterstützt das Volksbegehren der Freien Wähler nicht

Veröffentlicht am 01.07.2014 in Bildung

Am  1. Juli wurde im Bayerischen Landtag der Gesetzentwurf der SPD-Landtagsfraktion zu einem neunjährigen Gymnasium diskutiert. Auch die SPD-Landtagsabgeordnete Susann Biedefeld hat sich für ein klares „Vorwärts zu einem neuen G9!“ ausgesprochen, da endlich Schluss mit der Dauerbaustelle G8 sein muss.

Auch der Bayerische Philologen-Verband, die LandesschülerInnenvertretung und viele LehrerInnenpersonalräte wollen ein neu aufgestelltes G9. „Das am 3. Juli beginnende Volksbegehren der Freien Wähler will ein Nebeneinander von G8 und G9. Das können aber kleine Gymnasien insbesondere im ländlichen Raum nicht leisten. Ihnen wäre damit keine Wahlfreiheit möglich“, betont SPD-Landtagsabgeordnete Susann Biedefeld. Wichtig sei vor allem eine inhaltliche Diskussion. Sie ist von zentraler Bedeutung und kann nicht, wie im Volksbegehren, mit einer Entscheidung über Schullaufzeiten beantwortet werden. „Aus diesen Gründen wird sich die BayernSPD nicht am Volksbegehren der Freien Wähler beteiligen. Wir wollen eine Weiterentwicklung des Gymnasiums mit mehr qualitativer Bildungszeit und die zentralen Eckpunkte Lehrplan, Fächerzuschnitte, Stundenverteilung und vor allem die Lernmethode noch einmal auf den Prüfstand stellen“, erklärt Susann Biedefeld.

Die anhaltende Kritik am G8, auch nach zehn Jahren und nach dem Durchlauf von mehreren Abiturjahrgängen, rückt die Frage nach einer längeren Gymnasialzeit wieder ins Zentrum der bayerischen Bildungsdebatte. Gegen das G8 spricht, dass die Verdichtung des schulischen Lernens einher mit einer Qualitätsminderung geht und die Verkürzung eine Reduzierung auf reine Wissensvermittlung mit sich bringt. Das Kernproblem des G8  ist die zeitliche Belastung der SchülerInnen. Als  Grund sieht die SPD-Landtagsabgeordnete  die Vorgabe der Kultusministerkonferenz (KMK), nach der alle SchülerInnen vom Eintritt ins Gymnasium bis zum Abitur insgesamt mindestens 265 Wochenstunden Pflichtunterricht haben müssen. Umgerechnet auf die Zahl der Wochenstunden bedeutet das gerade in der Mittelstufe bis zu 36 Stunden pro Woche und damit oft drei Nachmittage Unterricht. Andererseits wurde vom Kultusministerium der Lehrplan nicht wirklich überarbeitet und auf das Wesentliche beschränkt. Es wurden auch keine pädagogischen Konzepte erarbeitet. Die verkürzte Version (G8) sollte ausschließlich in pädagogisch gut konzipierten Ganztagsschulen angeboten werden. Im anderen Fall gibt es eine neunjährige Version mit deutlich reduzierter Wochenstundenzahl  bis einschließlich Ende der Mittelstufe (10. Klasse). Hauptunterscheidungsmerkmal wäre bei einem Konzept des Gymnasiums der zwei Geschwindigkeiten, dass in der G8-Form die Oberstufe nach der 10. Klasse zwei Jahre, in der G9-Version wie früher wieder drei Jahre dauern sollte.

Immer mehr Umfragen (z.B. die  2. Jako-O-Studie im Januar  2012) machten deutlich, dass die übergroße Zahl der Eltern (84 % in Bayern) und auch LehrerInnen, neuerdings auch der SchülerInnen zur neunjährigen Variante zurückkehren wollen, weil sie eine grundlegende Änderung der G8-Struktur nicht mehr für möglich halten. Selbst der Bayerische Philologenverband, der BLLV, LehrerInnenpersonalräte, SchülerInnenvertretungen und auch Elternvertreter fordern ein klares Zurück zur neunjährigen Variante, nicht aber zum alten G9. Bei verschiedenen Fachgesprächen mit den VertreterInnen der Schulfamilie wurde klar, dass das Wahlrecht nicht als eine realistische Option gesehen wird, zumal es in Bayern fast keine gebundenen Ganztagsangebote in Gymnasien gibt. „Der Tenor aller Beteiligten war ganz klar: Die Regelform am Gymnasium soll G9  lauten, die Verkürzung auf acht  Jahre soll die Ausnahme sein“, führt Susann Biedefeld aus.  Neben der flexiblen Oberstufe von zwei oder drei Jahren könnte auch ein begleitetes Überspringen, wie es der Bayerische Philologenverband vorschlägt, denkbar sein. „ In jedem Fall soll ein ergebnisoffener Prozess herausgearbeitet werden, welche Grundpfeiler ein modernes, zukunftsweisendes Gymnasium haben soll“, erklärt die SPD-Landtagsabgeordnete weiter.

Nach dem Willen der FW entscheidet das jeweilige Schulforum, das heißt  die Schule selbst über die Dauer der gymnasialen Schulzeit. Beide Varianten – also G8 oder G9 – sind folglich als grundlegende Struktur an einer Schule möglich, unabhängig vom Ganztag oder einer inhaltlichen Veränderung, was Susann Biedefeld für nicht sinnvoll hält, da alle Schulexperten bei der  Umsetzung große Schwierigkeiten erwarten. „Mit unserem Gesetzentwurf wollen wir eine Weiterentwicklung des Gymnasiums mit mehr qualitativer Bildungszeit. Das Problem ist erst dann gelöst, wenn es eine gemeinsame Lösung für die Gestaltung des Gymnasiums gibt. Über die inhaltliche Ausgestaltung des neuen G9 sollte unter Einbeziehung der Schulfamilie, der betroffenen Verbände und aller Fraktionen im Landtag  verhandelt werden. Nur so kehrt wieder Ruhe ins Gymnasium ein“,  ist sich Susann Biedefeld sicher.

 

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