Der Tourismus in der Region klettert in der Bedeutungs-Skala immer weiter nach oben. Wohl gerade deshalb waren viele Gäste der Einladung von Annette Karl im Namen des Arbeitskreises Wirtschaft der SPD-Landtagsfraktion in die „Wirtschaft“ gefolgt. Wie ist die Region der Landkreise Tirschenreuth, Neustadt und Weiden in Sachen Tourismus aufgestellt? Welche Sorgen drücken, welche Chancen hat die Region, wo kann oder sollte die Politik Unterstützung geben?
Zu diesen Themen hatte die Parlamentarierin Experten mitgebracht: Professor Dr. Werner Widuckel,
wirtschaftspolitischer Berater von Christian Ude, das ehemalige Vorstandsmitglied der Audia AG, MdL Bernhard Roos, MdL Dr. Paul Wengert, tourismuspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, sowie
Dr. Roland Metz, parlamentarischer Berater der Landtagsfraktion.
Bedeutende Rolle
Wengert machte klar, dass der Fremdenverkehr in Bayern in der Mittelstandspolitik eine bedeutsame Rolle
spiele. 560 000 Menschen lebten davon. 2012 seien 24 Milliarden Euro erwirtschaftet worden. Die nördliche
Oberpfalz konnte sich ein kleines Stück vom großen Kuchen abschneiden. Die bayerischen Zahlen ergänzte
Knott: „Wir verzeichnen in den drei Landkreisen Tirschenreuth, Neustadt und Schwandorf sowie in Weiden 6000 Beschäftigte bei einem Umsatz von rund 188 Millionen Euro. Das ist mehr als die Landwirtschaft
vorzuweisen hat.
Bewährt habe sich, dass seit 1986 nur noch gemeinsame Werbebroschüren der Region herausgegeben
werden. Für die Weiterentwicklung eines konkurrenzfähigen regionalen Tourismus gehören nach
Ansicht Wengerts Originalität, Rückbesinnung auf vorhandene Werte, eine gute Ausbildung der touristischen
Berufssparten und Servicequalität. Der Dank von Dr. Michael Braun galt allen ehrenamtlichen Helfern,
exemplarisch nannte er den Oberpfälzer Waldverein. Was ihm nicht gefalle, sei die Entwicklung der EU-Tourismusförderung. Vieles käme dort an, wo es gar nicht benötigt werde. Für eine grenzüberschreitende
Arbeit wäre eine Landesförderung von Bedeutung. Eine Vermieterin von Ferienwohnungen beklagte die hohen und umfangreichen Anforderungen bei der Klassifizierung der Wohnungen. Viele Vermieter gäben wegen Überalterung auf oder reduzierten die Zahl der Betten.
Bürgermeister Josef Walbrunn und Josef Gillitzer, beide aus Pleystein, trugen ihre Sorgen und Nöte vor.
Vom einst beliebten Ferienort für Berliner und Frankfurter sei nicht mehr viel übriggeblieben. Rückläufige
Übernachtungszahlen kämen durch die Schließung des Rot-Kreuz- Hauses und des Schulland-Heims.
Viel mehr Beachtung hätten die tschechischen Tagestouristen verdient. „Die Deutschen schimpfen,
wenn sie die Speisekarte im Nachbarland nicht lesen können, bei uns wird sie nur in wenigen Gaststätten
zweisprachig angeboten.
Kritisches Verhältnis
Der OWV-Hauptvereinsvorsitzende Armin Meßner sieht das Verhältnis Bayerischer und Oberpfälzer Wald
sehr kritisch. Dort würde ein touristisches Leuchtturmprojekt nach dem anderen umgesetzt. „Der Nordosten
der Oberpfalz sollte auch mal an die Reihe kommen“. Bemängelt wurden die überhöhten Preise der öffentlichen Verkehrsmittel in den Landkreisen. Projekte wie Langlaufzentrum, Geschichtspark oder Geo-Zentrum würden hohe Anschubfinanzierungen erhalten, dann aber im Stich gelassen werden.
(Quelle: Der Neue Tag, 13. April 2013; cr)