Situation bei der US-Armee: Betriebsvertreter und Annette Karl fordern Alternativen
Als Impulsgeber bezeichnete Werner Walberer die sieben hochmodernen Hauptschießbahnen auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr. Doch was nützten diese, wenn sie nicht mehr im bisherigen Umfang gebraucht werden? Der Abzug der 170. und der 172. US-Brigade aus Europa solle bis spätestens 2015 vollzogen sein, berichtete er. „Die Folge ist der Verlust von sehr vielen Arbeitsplätzen bei der US-Armee“, befürchtete der Fachgruppenvorsitzende für den Breich Stationierungsstreitkräfte bei einem Gespräch mit der Landtagsabgeordneten Annette Karl.
Walberer sprach auch den Verlust von 75 Arbeitsplätzen der Firma Bilfinger Berger in Grafenwöhr und die Situation des Krankenhauses Eschenbach an, um dessen Fortbestand ebenfalls „gerauft“ werde. „Wir haben nicht mehr die Luft, dass wir den Stellenabbau anderswie korrigieren können“, klagte er.
Am Tiefpunkt
Bei den Amerikanern sehe es so aus: „Wir stehen am Tiefpunkt. Es ist kein Geld vorhanden und im Verteidigungshaushalt wird empfindlich gekürzt. Das Pentagon gibt die Richtung vor. Wenn die Soldaten für drei bis sechs Wochen zur Übung hierherkommen, bringen sie keine Familie mit. Deshalb fehlt künftig die Wirtschaftskraft in der gesamten Region. Eigentlich ist alles ungewiss und wir brauchen Alternativen“, forderte Walberer.
Geplant sei momentan, dass die US-Einheiten aus Bamberg und Schweinfurt nach Grafenwöhr versetzt werden mit einer Größenordnung von 3500 bis 4000 Soldaten. „Ich bezweifle allerdings, ob die Anzahl so hoch ist“, betonte Wolfgang Dagner. Fraglich ist für ihn auch, ob die Familienangehörigen mitkommen werden.
Kündigungen drohen Herbert Albersdorfer erkläuterte die Situation der Logistikdienststelle HNLFOA. Dies sei eine kleine Dienststelle mit 143 Arbeitnehmern. Davon sollen 55 nach Kaiserslautern beziehungsweise Sembach verlegt werden. Bei 15 bis 20 Beschäftigten handelt es sich um Halbtagskräfte. „Hier bräuchte man schnellstmöglich einen Rif-Status (Reduction-in-Force-Politik)“, so Albersdorfer, der mit den 55 Kündigungen noch im Februar rechnet. Gut wären zentrale Stellenbörsen für diese Betroffenen, die beispielsweise im Landratsamt eingerichtet werden könnten. Auch geförderte Weiterbildungen wären angebracht, da man auf dem deutschen Arbeitsmarkt nicht weiterkomme.
Zur Sprache kam auch die Einrichtung einer Transfergesellschaft. Hier werde man nach der Entlassung für sechs Monate aufgefangen. „Dies ist eine sehr kurze Zeit; zwölf Monate wären gut, um auf dem deutschen Markt wieder Fuß fassen zu können“, betonte Wolfgang Dagner.
Verunsicherung in Hohenfels
„Unsere Beschäftigten trauen sich nicht einmal, ein neues Auto zu kaufen, wenn das alte nicht mehr mitmacht, weil sie nicht wissen, wie lange sie noch Arbeit haben“, schilderte Christa Meier-Mühlbach die Situation in Hohenfels. Von der Arbeitgeber-Seite kommt überhaupt keine Information. Und es stellt sich dabei schon die Frage, wie lange Hohenfels noch existiert. Dort gibt es 800 Beschäftigte; in Grafenwöhr und Vilseck sind es 2 400.
„Im laufenden Haushalt (bis 30. September 2012) werden 250 Beschäftigte der US-Armee ihre Kündigungen erhalten und weitere schmerzliche Einschnitte werden erwartet. Wir sind keine Schwarzseher, aber unsere Männer und Frauen müssen es ausbaden“, beklagte Karlheinz Winter, der stellvertretende Geschäftsführer des Verdi-Bezirksverbandes.
„In Zukunft gibt es den Krieg der Sterne am Bildschirm und irgendwann fahren wir nach Tschechien, um dort zu arbeiten“, befürchtet Walberer. Wir müssen uns um die nachfolgenden Generationen kümmern, damit sich die bisherige Abwanderung der Jugendlichen nicht weiter verstärkt. Die Tendenz zeigt, dass schon jetzt immer mehr Jugendliche nach Regensburg und München in die Ballungszentren abwandern.
Karl: Regierung in der Pflicht
„Junge Leute gehen zwangsweise weg“, stimmte Annette Karl zu. Doch soviel sei sicher: „Es muss etwas passieren!“
Ihr Standpunkt sei, gemeinsam mit den Mandatsträgern aller Parteien etwas zu tun. Sie frage sich, was mit Konversionsmitteln erreicht werden könne. Außerdem müsse die Region in der GA-Förderung bleiben. „Bei Quelle in Fürth wurde auch reagiert. Sie appelliert an die Staatsregierung und fordert die gleiche Unterstützung wie dort auch für unsere Region.