Erfreulich ist, dass die Anzahl der Studierenden in den Ingenieurswissenschaften in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen ist und weiter ansteigt. Diese positive Entwicklung gilt es zu verstärken und durch zusätzliche Maßnahmen jenseits der Erhöhung der Studienplätze zu unterstützen. Der Wirtschaftsstandort Bayern braucht gut ausgebildete Fachkräfte in ausreichender Zahl, um auf Dauer konkurrenzfähig bleiben zu können. Kleine Kinder haben einen angeborenen Forscherdrang, wollen alles erkunden und Dinge im wahrsten Sinne des Wortes „begreifen“.
Erziehung muss hier ansetzen, Raum und Zeit geben für die Ausprägung von technischem Verständnis von Anfang an. Dazu gehören schon im Kindergartenalter Gelegenheiten, Dinge einfach mal komplett zerlegen zu können, aber sicher auch der klassische Baukasten sowie viele unterschiedliche Materialien zum Erfahren und Verstehen der Umwelt. Wer schon einmal gesehen hat, wie stolz Kinder auf den ersten selbstkonstruierten Dammbau an einem kleinen Gewässer sind, weiß, dass damit der Grundstein für erfolgreiche IngenieurInnen gelegt wird.
Auch die schönsten Computerspiele und Ipad-Malprogramme können solche Erfahrungen nicht ersetzen. Grundsätzlich braucht es in unserer Gesellschaft einen Diskurs über die zunehmende Technik- und Innovationsskepsis in großen Teilen der Bevölkerung, die immer zuerst und fast ausschließlich Risiken, aber kaum noch die Chancen von neuen Techniken verbalisiert.
Darüber hinaus müssen wir die Anstrengungen von Staat und Wirtschaft, MINT-Berufe für junge Menschen attraktiver zu machen, noch wesentlich intensivieren. Dazu gehören Firmenpraktika für Gymnasiallehrer sowie eine stärkere Einbindung der Wirtschaft in die Berufs- und Studienwahlberatung an weiterführenden Schulen. Auch ein Ausbau dualer Studiengänge scheint in diesem Bereich erfolgversprechend. Familienfreundliche Arbeitsbedingungen und Arbeitszeitmodelle tun ihr Übriges, besonders Frauen für diese Berufe zu begeistern. Hier sollten vor allem die Vorteile einer selbstständigen Tätigkeit als PartnerIn in einem Ingenieursbüro aktiv beworben werden.