Geringverdiener schneiden schlechter ab
Das neue Elterngeld der große Wurf? „Nicht für viele unserer Klienten“, bedauert Elisabeth Schieder. „Für Geringverdiener ist es eine Verschlechterung.“ Einer von vielen Kritikpunkten, den die Leiterin der Schwangerschaftsberatungsstelle von Donum Vitae beim Informationsbesuch von Landtagsabgeordneter Annette Karl (SPD) aufs Tapet bringt.
Denn: „Viele Frauen, die bei uns Rat suchen, sind Geringverdienerinnen oder arbeiten auf 400-Euro-Basis“, sagt Elisabeth Schieder. „Sie erhalten oft nur ein Jahr lang 300 Euro im Monat. Früher haben sie zwei Jahre lang Erziehungsgeld bekommen.“ Interessant übrigens: Um das Elterngeld ausrechnen zu lassen, kommen meist die Männer in die Beratungsstelle. „Um die Finanzen kümmern sich bei uns offenbar immer noch die Männer.“
Häufiges Ärgernis für die Sozialpädagogin: Die Service-Hotline der Arge Fördern und Fordern. „Die ist teuer und sehr langsam.“ Statt ein
kleines Problem im Gespräch mit dem Sachbearbeiter in wenigen Minuten zu lösen, ziehe sich der Fall dadurch leicht drei Tage hin. Dazu kommt die Scham der Betroffenen. „Viele Frauen haben vor der Entbindung weniger als 1000 Euro verdient. Da reicht ihnen das Elterngeld nicht zum Leben und sie müssen erstmals Arbeitslosengeld II in Anspruch nehmen.“ Die Ursache liegt für Annette Karl auf der Hand: „Das ist eine der vielen Folgen des ständig wachsenden Niedriglohnsektors. Das Problem zieht sich unter Umständen bis zum Rentenalter durch, wenn die Menschen auf Grundsicherung angewiesen sind.“
Eine Kritik, die die Abgeordnete direkt in München vorbringen kann: „Wir erhalten Informationen über Neuerungen oft erst ein halbes Jahr
später“, sagt Schieder. „Bis dahin müssen wir uns mühevoll alle Informationen zusammensuchen, um die Klienten beraten zu können.“
Vorurteile weit verbreitet
Dass Donum Vitae selbst acht Jahre nach der Gründung noch mit Vorurteilen zu kämpfen hat, wissen Aurelia Zitzmann und Ilka Lang-Seifert, die Bevollmächtigen für Weiden bzw. den Landkreis Neustadt, nur zu gut. „Es gibt immer noch Menschen, die meinen, ihr seid doch die, die für Abtreibung sind“, ärgert sich Aurelia Zitzmann. „Dabei gibt es inzwischen rund 8000 Kinder, die nach einer Beratung bei Donum Vitae zur Welt kamen.“ Denn oberstes Ziel der Beraterinnen ist es, den Schwangeren die Entscheidung für das Kind zu erleichtern und Hilfen zu bieten. „Viele Frauen sind verzweifelt. Aber wenn man ihnen einen Weg aufzeigt, nehmen sie das Kind gerne an.“
Finanzspritzen herzlich willkommen
Annette Karl griff gleich zum Kugelschreiber und unterschrieb. Seit Montag ist die SPD-Landtagsabgeordnete damit Mitglied des Vereins Donum Vitae. Und der kann jedes weitere Mitglied dringend brauchen, machte Bevollmächtigte Aurelia Zitzmann klar. Denn fünf Prozent der Kosten für die Staatliche Beratungsstelle muss der Verein selbst aufbringen. „Das sind rund 25 000 Euro.“ Kein Pappenstiel.
„Im vergangenen Jahr haben uns viele Bürgermeister aus der Region, Geldinstitute und die Seltmann-Stiftung unterstützt“, freute sich Aurelia Zitzmann. Doch in diesem Jahr fließen die Spenden spärlicher.
Zum Bild: Ein offenes Ohr für die Probleme von Donum Vitae: Landtagsabgeordnete Annette Karl (Zweite von links) informierte
sich bei Leiterin Elisabeth Schieder (links) und den Bevollmächtigten Ilka Lang-Seifert und Aurelia Zitzmann (von rechts) aus erster Hand.
aus oberpfalznetz.de