Dr. Thomas Beyer und Annette Karl im ExpertengesprächGespräch der SPD-Wirtschaftspolitiker mit Experten der Verbände zu den Chancen von Hauptschülern auf dem Ausbildungsmarkt angesichts des doppelten Abiturjahrgangs und der ausgesetzten Wehrpflicht.
Der doppelte Abiturientenjahrgang wird den Druck auf den Ausbildungsmarkt 2011 in Bayern zwar deutlich erhöhen. Aber dank des überraschend kräftigen Wirtschaftsaufschwungs werden die Chancen für gut ausgebildete Hauptschulabsolventen nicht drastisch geringer. So jedenfalls lauteten die Einschätzungen der Vertreter von Wirtschaftsverbänden, Gewerkschaften und der Arbeitsagentur in einem Expertengespräch der SPD-Landtagsfraktion.
Thema: "Können sich Hauptschüler und Hauptschülerinnen auf dem Ausbildungsmarkt 2011 behaupten?"
„Allerdings dürfen Politik und Wirtschaft nicht ausschließlich auf statistische Erfahrungswerte vertrauen“, erklärt der Arbeitsmarktexperte der SPD-Landtagsfraktion, Bernhard Roos, zu den Auskünften der Wirtschaftsvertreter. „In diesem Jahr sind die zusätzlichen 34.000 G8-Abiturienten, die 8000 Wehrpflichtigen, die nicht mehr eingezogen werden, und eine unbekannte Zahl von Ausbildungswilligen aus mittel- und osteuropäischen Staaten in der Gesamtsumme ein sehr großer Brocken. Und noch ist nicht vollends klar, wie viele Absolventen mit Hochschulzugangsberechtigung eine Berufsausbildung anstreben. Das muss die Bayerische Staatsregierung zu höchsten Anstrengungen zu Gunsten der Hauptschülerinnen und Hauptschüler anstacheln. Das Prinzip Hoffnung allein ist ein untauglicher Ratgeber.“
„Schwierig bleibt der Ausbildungsmarkt für die Jugendlichen, die mangels Ausbildungsplatz teilweise schon seit Jahren in ‚Warteschleifen’ fest hängen,“ erklärte SPD-Wirtschaftspolitikerin Annette Karl. „Auch hier müssen Politik, Wirtschaft, Schulen und Bundesagentur gemeinsam verstärkte Anstrengungen unternehmen, um auch das Potential dieser jungen Leute zu nutzen und ihnen eine berufliche Perspektive zu geben. Wer den drohenden Fachkräftemangel in Deutschland beklagt, darf sich nicht auf die gebetsmühlenartig beklagte Ausbildungsunfähigkeit dieser Jugendlichen herausreden, sondern muss auch sie aktiv für die Zukunft der Unternehmen sichern.“

Expertengespräch: Toni Hinterdobler, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Niederbayern und Oberpfalz, Rainer-M. Geisler, Leiter Zusammenarbeit mit der Landespolitik, Arbeitsagentur Bayern, Albrecht Hör, Geschäftsführer Hör-Technologie, Weiden, und Thomas Schörg, Stellvertretender Hauptgeschäftsführer Bundesverband der Selbständigen Bayern e.V. (von links).