Die Wirtschaft boomt, die Zahl der Arbeitsplätze steigt. Trotzdem kommt bei den Hartz-IV-Haushalten davon nichts an. Arbeitsagentur und auch Landtagsabgeordnete Annette Karl wollen stärker ran an den "Sockel" und möglichst früh den Familien ein Coaching anbieten. Sie gehen dazu sogar in die Kindergärten.
"Sogar leicht steigend", nennt Thomas Würdinger, Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Weiden, die Zahl der betreuten Hartz-IV-Empfänger. Und tatsächlich beziehen 1363 der 1596 Langzeitarbeitslosen Leistungen nach SGB II. Annette Karl kündigte beim Jahresgespräch mit Würdinger einen neuen "Ansatz" an, um den Teufelskreis der "vererbte Verhaltensweisen" endlich zu durchbrechen.
Früher coachen
Die Begleitung, das Coaching der von Langzeitarbeitslosigkeit betroffenen Familien bleibe "eine große Herausforderung, die immer da ist". Und um endlich auch erfolgreich zu sein, müsse diese intensivere Betreuung eben schon im Kindergartenalter einsetzen. "Wir wollen den Kindern aus traditionellen Hartz-IV-Familien neue Vorbilder vermitteln, ihnen mit gezielten Maßnahmen neue Perspektiven aufzeigen", betonte die SPD-Landtagsabgeordnete. "Das gesamte Bildungssystem muss viel früher ansetzen. Auch die Ganztagsschulen sind hier bei der Wertevermittlung besonders gefordert." Karl stellte eine "Urbanisierung der Langzeitarbeitslosigkeit" fest, was etwa die Zahlen in der Stadt Weiden belegten. "Wir haben inzwischen sechs gute Arbeitsmarktjahre und dennoch steigende Hartz-IV-Zahlen." Die Bedarfsgemeinschaften suchten die Anonymität und nutzten zugleich die bessere Infrastruktur der Städte.
Berufsberatung Pflicht
Ebenfalls eine Schlüsselstelle im Lebenslauf von Landzeitarbeitslosen ist der Übergang vom Schüler zum jungen Erwachsenen. Sorgen bereiten dabei der SPD-Abgeordneten, aber auch dem Agentur-Chef, die "eklatante Anzahl von Schulabgängern", die keine Berufsberatung beanspruchen und "durch alle Raster fallen".
Berufsberatung, die Aufnahme der Daten der Schulabgänger in die Arbeitsagentur müsse deshalb "verpflichtend" werden. "Wir müssen uns auch auf allen politischen Ebenen, in Schulen und in den Jugendämtern Gedanken machen, damit keiner im System verschwinden kann", forderte Annette Karl.
(Quelle: Oberpfalznetz vom 25. Januar 2017; wd)