v.l.: Ernst Ertel, Lukas Stollner; MdL Reinhold Strobl, MdL Annette Karl, Brigitte Bachmann, Hardy Barth, Leonhard RothSPD-Politiker diskutieren mit Vertretern aus der Wirtschaft das "leidige" Thema Digitalisierung auf dem Land
Ohne schnelles Internet kann man heute keine Firmen mehr an den Ort locken. Diese Kernaussage kristallisierte sich am Montag im Gespräch zwischen SPD-Bürgermeisterkandidatin Brigitte Bachmann, MdL Reinhold Strobl, MdL Annette Karl und mehreren Unternehmern heraus. Bei der Firma Hardy Barth in Schwend trafen sich die Vertreter der SPD mit Unternehmern, die vor Ort ihre Betriebe angesiedelt haben, bzw. sich vorstellen könnten, dies zu tun.
Voluminöse Datenpakete
Hardy Barth erläuterte das Problem ganz konkret. Seine Firma müsse ständig große Datenmengen verschicken und empfangen, zum Beispiel Pläne. Diese Datenpakete übersteigen die zur Verfügung stehenden Volumina deutlich. Notfalllösungen wie LTE können darüber nicht hinwegtrösten.
Der einzig sinnvolle Schritt sei die Anbindung an das Glasfasernetz, bestätigt auch Annette Karl. Ohne diesen Schritt werde man Firmen nicht mehr am Ort halten können. Mehrere Gesprächsteilnehmer machten klar: Wenn kein schnelles Internet verfügbar ist, kann ich nicht arbeiten und muss mich anderorts umsehen. Hardy Barth etwa berichtet, dass er teilweise darauf zurückgreifen muss, Daten auf Datenträger zu brennen und diese nach Regensburg zum Geschäftspartner zu fahren. Eine Praxis, die klar nicht mehr zeitgemäß und unwirtschaftlich ist. Annette Karl führte aus, dass es für betroffene Gemeinden natürlich auch Fördermittel gibt. Nur müsse man sich an das komplizierte und sehr bürokratische Antragsverfahren herantrauen. Der Pott enthält Fördermittel von insgesamt einer Milliarde Euro, davon bereits abgerufen seien lediglich 500 000 Euro.
"Rasch anfangen"
Karl ermunterte dennoch damit rasch anzufangen. Denn das Antragsverfahren sehe viele Schritte vor mit teils langen Fristen. Es gebe jedoch Beispiele von Kommunen, die das Verfahren sehr schnell zum Abschluss brachten. Hier finde man Rat und Hilfe. Nur müssen die Kommune eben aktiv werden und in das Verfahren einsteigen. Insgesamt wurde durch alle Gesprächsteilnehmer Unzufriedenheit geäußert, wie der Freistaat Bayern mit dem Thema Breitbandanbindung umgehe. Schnelles Internet wird nicht als Aufgabe des Staates gesehen, sondern wird unter freiwillige Leistungen eingeordnet.
Darüber hinaus gilt ein Gebiet als erschlossen, wenn eine Ortschaft angebunden sei. Somit falle der gesamte Postleitzahlenbereich darunter, ungeachtet vieler kleiner Kommunen, die vom Internet nach wie vor weder hören noch sehen würden. Reinhold Strobl will sich mit dem zuständigen Ämtern in Verbindung setzen und einen runden Tisch zusammenführen. Ziel sei es, das Antragsverfahren um die Fördermittel so schnell wie möglich anzustoßen.
Harter Wettbewerbsfaktor
Brigitte Bachmann will vor allem die Kommune Birgland zur Aktivität drängen. Denn viel stehe auf dem Spiel. Schnelles Internet sei eben kein Luxus mehr, es sei ein harter Wettbewerbsfaktor, der über die wirtschaftliche Zukunft eine Kommune mit entscheide, so ihre Meinung.
(Quelle: Oberpfalznetz vom 5. Februar 2014; phl)