Nominierung | SPD gibt sich kämpferisch und schickt Kreisvorsitzenden Heinz Martini für die Landtagswahl ins Rennen. Der Bewerber fordert „Anschubfinanzierungen für eine zukunftsfähige Heimat Hochfranken
Mit „breitem Kreuz“ und Optimismus

von Thomas Scharnagl
Wunsiedel – „Ich werde mich in München nicht verstecken können“: Heinz Martini hatte die Lacher auf seiner Seite, als er am Samstag bei der Nominierungskonferenz der Kreis-SPD in der Fichtelgebirgshalle in Anspielung auf seine Statur („Man sieht es mir an!“) darlegte, wie er sich die Arbeit im Landtag vorstellt. „Hochfranken braucht eine laute Stimme, ordentliches Gewicht und ein breites Kreuz“, sagte der Tröstauer Bürgermeister, den die SPD als Landtagskandidaten für den Stimmkreis mit 55 von 59 Stimmen (bei vier Enthaltungen) nominierte. Als Listenkandidat für den Landtag wurde der 26 Jahre alte Stadtrat Holger Grießhammer aus Weißenstadt aufgestellt (58 Stimmen, eine Enthaltung).
Als Stimmkreiskandidat für den Bezirkstag tritt der aus Rehau stammende SPD-Unterbezirksvorsitzende Ulrich Scharfenberg (57 Ja-Stimmen, eine Enthaltung) an, die Marktredwitzerin Bettina Bayerl übernimmt die Zweitstimmenkandidatur (47 Ja-Stimmen, acht Enthaltungen, drei Nein-Stimmen).
Bei der Nominierungskonferenz der SPD für den Stimmkreis Wunsiedel (dazu gehören neben dem Landkreis Wunsiedel auch Rehau, Regnitzlosau, Weißdorf, Zell Sparneck und Schwarzenbach/Saale aus dem Landkreis Hof) gaben sich sämtliche Redner für den Ausgang der Landtagswahl am 28. September optimistisch. „Die haben wirklich Panik“, sagte Bundestagsabgeordnete Petra Ernstberger über die CSU, die um die 50 Prozent kämpfe. „Wir müssen diese Möglichkeit nutzen!“ „Die CSU wackelt“, befand der Vorsitzende des Hofer SPD-Kreisverbandes, Klaus Adelt.
Optimismus verbreitete auch der Wunsiedler Kreisvorsitzende und Landtagskandidat Heinz Martini. Er verwies auf die Erfolge der SPD bei den Kommunalwahlen und nannte die Siege bei den Bürgermeisterwahlen in Weißenstadt und Kirchenlamitz. Zudem habe die SPD bei den Kreistagswahlen ihre Sitze verteidigt. Martini: „Diesen Schwung wollen und werden wir nutzen, um unseren Landkreis, unsere Heimat auch im Bayerischen Landtag nachhaltig zu stärken.“
Seine Zuversicht begründete der Kandidat aber auch mit der Stimmung in Bayern: Die Menschen erwarteten schließlich nach dem „Transrapid-Desaster, der Milliardenpleite bei der Bayerischen Landesbank und dem im Nebel liegenden Kurs der Staatsregierung beim Rauchverbot“ wieder Glaubwürdigkeit, Stabilität und Perspektiven. In Hochfranken würden die Bürger zudem auf ein deutliches Signal warten, „damit aus einer strukturschwachen Region eine Zukunftsregion wird“. Martini sprach sich dabei gegen eine „Entwicklungshilfe für Hochfranken“, aber für „Anschubfinanzierungen für eine zukunftsfähige Heimat Hochfranken“ aus. Den Schlüssel zur Lösung der Probleme in der Region sieht der Bürgermeister aber nicht nur in München, sondern auch vor Ort: „Wir werden die Ärmel hochkrempeln und selber anpacken, damit wir in München nicht länger als Bittsteller auftreten müssen“, kündigte er an.
Der Bezirkstagskandidat Ulrich Scharfenberg prangerte die soziale Kälte an, die sich im Bezirk mit der CSU-Mehrheit breit mache. Er warf der CSU eine „Arroganz der Nichtbetroffenheit“ vor. „An den bedürftigen Menschen in unserem Bezirk wird gnadenlos gespart“, sagte der 46-Jährige, der die Nachfolge der Bezirksrätin Heidrun Fichter antreten will. Über die Liste will Bettina Bayerl in den Bezirkstag kommen. Bei ihrer Vorstellung münzte die hauptamtlich in der SPD-Geschäftsstelle Hof beschäftigte Marktredwitzerin ihre Initialen B. B., eigentlich bekannt für Brigitte Bardot, um auf „Bereit für den Bezirk“.
Zu Beginn der Konferenz hatte SPD-Kreisgeschäftsführer Sebastian Macht den guten Besuch der Versammlung als Symbol der Geschlossenheit bewertet. „Wir machen eine öffentliche Nominierung, zu der jeder Besucher kommen kann. Wir machen das nicht hinter verschlossenen Türen wie eine andere Partei“, sagte er mit einem Seitenhieb auf die CSU.


