"Eine Berlinerin im bayerischen Landwirtschafts-Ausschuss - das mag überraschen", gibt Annette Karl zu. Seit September sitzt die 48-Jährige für die SPD im Landtag - und für Überraschungen dieser Art ist die lebhafte Politikerin gerne gut.
Als gebürtige Berliner eine echte Großstadtpflanze, setzt sie sich für die Stärkung des ländlichen Raums und die nördliche Oberpfalz ein. "Es geht mir um gleichwertige Lebenschancen für alle Menschen in Bayern", erklärt sie.
Engagiert habe sie sich seit jeher, erzählt Karl, auch an der Uni in Berlin, wo sie Studentenvertreterin war und Mathematik und BWL studierte. Dort lernte sie ihren Mann kennen, einen Oberpfälzer, dem sie in seine Heimat Altenstadt bei Weiden folgte. In die Politik ging die vierfache Mutter erst Jahre später. Anstoß dafür war ein Bürgerbegehren für eine Schulbus-Haltestelle: „Da habe ich gemerkt: Wenn man etwas bewegen will, muss man das in den entsprechenden politischen Gremien tun.“ Ihre Kinder – heute 17, 19, 23 und 24 Jahre alt – waren „aus dem Gröbsten raus“, als sie der SPD beitrat. Sie wurde Gemeinderätin, später Kreisvorsitzende im Landesvorstand, sitzt inzwischen im Bundesvorstand der SPD-Frauen. Im Herbst zog Karl über die Oberpfalz-Liste in den Landtag ein, um ihre Wahlheimat zu vertreten. Die sie nach 24 Jahren sehr gut kennt, wie sie sagt. „Nur das mit dem Dialekt ist hoffnungslos! Wenigstens berlinere ich kaum mehr.“
Die Staatsregierung, klagt sie, habe die Oberpfalz immer vernachlässigt. Dabei gehe es nicht darum, „Geld abzugreifen“ – sondern Strukturen aufzubauen, sagt die SPD-Politikerin: „Die Region hat viel geleistet, die Menschen sind gut ausgebildet. Trotzdem gehen die Bevölkerungszahlen zurück, weil junge Leute aus Mangel an Arbeits- und Ausbildungsplätzen abwandern!“
Ihren Schwerpunkten entsprechend ist Annette Karl nicht nur Mitglied im Ausschuss Ernährung und Landwirtschaft, sondern auch im Ausschuss Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie. Dort ist sie die einzige Frau – warum auch nicht? „Da darf man keine Schere im Kopf haben.“ Dies ist die Art Überraschung, die sie mag.
aus mittelbayerische-zeitung.de, Birgit Holzer