Windischeschenbach. (sml) Eine sehr angeregte Diskussionsrunde ergab sich beim Ortsjugendwerk der Arbeiterwohlfahrt nach dem Referat der Vorsitzenden der SPD-Kreistagsfraktion, Annette Karl, über Kinderarmut in Deutschland.
Windischeschenbach. (sml) Eine sehr angeregte Diskussionsrunde ergab sich beim Ortsjugendwerk der Arbeiterwohlfahrt nach dem Referat der Vorsitzenden der SPD-Kreistagsfraktion, Annette Karl, über Kinderarmut in Deutschland.
"439 000 Treffer unter dem Suchbegriff Kinderarmut findet man im Internet." Mit verschiedenen Definitionen erklärte Karl, wie Armut überhaupt einzustufen sei. "So unterscheidet man zwischen materiellen, kulturellen und sozialen Mitteln, über die ein jeder Einzelne verfügt."
In Deutschland lebten rund 1,8 Millionen Kinder unter 15 Jahren, deren Eltern Hartz IV-Empfänger seien. In solchen Fällen bekämen die Erziehungsberechtigten kein Kindergeld, sondern nur 211 Euro Sozialgeld für jedes Kind im Monat. Das seien täglich 6,80 Euro für Essen, Garderobe, Bücher oder Spielzeug.
"Aufgrund der hohen Nebenkosten heutzutage und der Kosten in den Kindertagesstätten und Schulen werden immer mehr Kinder erst gar nicht in den Kindergärten angemeldet. In solch Familien hineingeborene Kinder haben schlechte Chancen, sich aus der Armut zu befreien und den Diskriminierungen zu wiederstehen", bedauerte die SPD-Landtagskandidatin. Des Weiteren wechselten finanziell bessergestellte Kinder dreimal öfter an weiterführende Schulen wie Arme, bei denen nur zwölf Prozent den Absprung schafften.
Kinder aus Migrantenfamilien könnten froh sein, wenn sie überhaupt einen Schulabschluss erreichten, führte Karl ihre Ausführungen fort. Applaus bekam sie für ihren Vorschlag, kostenlose Kindertagesstätten zu schaffen.
Bei der anschließenden Diskussion in Anwesenheit des AWO-Kreisvorsitzenden Erich F. Schmid erläuterte Rektor Anton Sammet von der Volksschule Windischeschenbach, wie eng Stadt und Schule zusammenarbeiteten, um Kosten für die Eltern zu vermeiden. "Die Lehrerschaft ist sehr interessiert, die Schüler zu fördern. Leider haben die Kinder aber keine Möglichkeiten, weil es vom Elternhaus her nicht passt," so Sammet. Er erwähnte auch, wie oft schon auf eine Ganztagsschule hingearbeitet worden sei, diese aber nicht zustande kam, weil es entweder an Finanzmitteln oder dem Interesse der Eltern fehlte.
Robert Friedrich fügte hinzu, dass sich AWO und Volksschule schon vor Jahren zusammengesetzt und ein Programm aufgestellt hätten. Dies sei letztendlich an den Kosten von damals 30 Mark im Monat pro Kind gescheitert.
Eine Mutter von zwei Kindern kritisierte, dass der Staat jedes Jahr viel Geld für die Rüstungsindustrie investiere, aber "für unser schwächstes Glied der Gesellschaft nicht einmal die Lehrmittelfreiheit gewährleistet". "Die Abschaffung des Büchergeldes hat die Stadt Windischeschenbach bereits schon im vergangenen Jahr veranlasst, und die Volksschule ist weiter darum bemüht, finanzielle Entlastungen zu finden," revidierte Sammet.
Kuratoriums-Mitglied Stefan Seitz resümierte, Ziel müsse es sein, die Eltern mit ins Boot zu holen, um Ganztagsschulen einzurichten und die Studiengebühren abzuschaffen. Zudem forderte er: "Wenn wir nicht heute Geld für Bildung ausgeben, müssen wir in naher Zukunft viel Geld für die Justiz investieren."
veröffentlicht auf oberpfalznetz.de 21.7.08
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