Annette Karl, Sabine Dittmar, Wolfgang Göldner (v.l.n.r; Bild:kunz)Die SPD sucht ihr Heil in der Bürgerversicherung. Ein leicht finanzierbares Modell, glaubte Landtags-
abgeordnete Sabine Dittmar bei einer Veranstaltung der SPD-Stadtmitte. Es werde wieder eine stärkere Arbeitge-
berbeteiligung geben, und die Kapitalertragsteuer werde ganz einfach von bisher 25 auf 32 Prozent angehoben. Privatversicherten wollen die Genossen ein Jahr Zeit geben, um sich für einen Wechsel zu entscheiden. Hinterher gehe dann nichts mehr. Alle Neuversicherten müssten dann aber wohl oder übel in die „nachhaltige, solide Beteiligung“ investieren. Überhaupt sei das Gesundheitssystem renovierungsbedürftig.
In Deutschland würden dreimal so viele Herzkatheter gesetzt wie im restlichen Europa. Trotzdem stürben hier genauso viele an koronaren Krankheiten wie anderswo. Dittmar, selber Ärztin, plädierte für den Ausbau einer Präventionsstrategie am Arbeitsplatz, im Kindergarten und in den Schulen. Das deutsche Gesundheitswesen sei allein schon deshalb ausgedünnt, weil acht Millionen Deutsche in prekären Arbeitsverhältnissen stünden.
Die SPD wolle das Primärsystem „Hausarzt“ etablieren. Das Stichwort lautet:
„Hausarzt als Lotse“.
Aber diese Gruppe müsse dann auch honoriert werden, brauche passende Rahmenbedingungen. Bis 2009 habe es Hausarztverträge für planbare Einkommen mit den Versicherungen gegeben. Die aber seien ausgehebelt worden, weil sie der FDP ein Dorn im Auge gewesen seien. „Wir möchten, dass der Hausarzt von morgen mehr verdient.“ Sicherlich: Ärzte gehörten zu den Spitzenverdienern in der Gesellschaft. Aber die Differenz zu den Fachärzten sei zu groß. Viele würden sich deshalb für eine fachärztliche Ausbildung und gegen den „Wald- und Wiesen-Arzt“ entscheiden. „Wir hingegen wollen zu den alten Hausarztverträgen zurückkehren.“ Vielleicht auch in Form von Hausarzt- Versorgungszentren. „Poly-Kliniken in der ehemaligen DDR waren nicht das Schlechteste.“ Überhaupt sollte die Studienzulassung für Ärzte überholt werden. Derzeit rekrutierten sich 50 Prozent der Studenten über den Numerus Clausus. „Besser wäre es, die berufliche Erfahrung und die soziale Kompetenz mit draufzusatteln.“ Die Inhalte des Studiums seien zu wenig patientenorientiert. Es gebe in Bayern 26 000 Ärzte und damit so viele wie noch nie. „Aber wir müssen auch zur Kenntnis nehmen, dass die Generation, die heranwächst, andere Ansprüche hat. Die will auch einen Feierabend, will mehr Zeit für die Familie. Die Arbeitszeit des Arztes wird in Zukunft reduzierter sein.“
Besuch im Seniorenheim
Dass immer mehr Frauen den Arztberuf ergriffen, liege einzig und allein daran, dass Frauen bessere Abiturprüfungen schrieben. Folge: „Wir brauchen mehr Kindergartenplätze in den Kliniken.“ Ortsvorsitzender Wolfgang Göldner skizzierte eingangs die soziale Sicherheit und Versorgung. Am Nachmittag besuchte die Landtagsabgeordnete zusammen mit ihrer Kollegin Annette Karl das Eleonore-Sindersberger-Altenheim.
(Quelle: Der Neue Tag vom 10. Juli 2013, uz)