Das Ende der Milchquote scheint beschlossene Sache zu sein. Für den Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) um Kreisvorsitzenden Werner Reinl geht es nun darum, sich über Alternativen der Mengensteuerung Gedanken zu machen. Das schärfte er dem SPD-Europaparlamentarier Wolfgang Kreissl-Dörfler und seiner Parteifreundin Annette Karl ein.
Zusammen sahen sie sich auf dem Hof von BDM-Mann Stefan Lindner in Enzenrieth bei Pirk um. Reinl sagte, dass der freiwillige Lieferverzicht gegen Entschädigung, dem sich das Europäische Parlament in Grundzügen angeschlossen habe, zeige, dass der BDM die richtigen Konzepte für eine nachhaltige und auskömmliche Milchviehhaltung habe. „Wir wollen eine flächendeckende Milchproduktion erhalten.“
Die Gäste auf dem Lindner-Hof erlebten ein Anwesen mit luftigen Ställen und großzügigen Liegeplätzen
auf Stroh - artgerecht eben. Kreissl-Dörfler, selbst Landwirt in Oberbayern, unterstrich, dass die Preis- und
Milchkrise noch nicht überwunden sei. Die Milchmarktentwicklung aus dem Vorjahr habe wiederholt gezeigt, wie schnell der Milchmarkt auf relativ geringe Veränderungen im Angebot reagiere. Es sei Zeit für eine anständige Agrarreform. „Die Leistungen des Landwirts, der 365 Tage auf dem Hof arbeitet und täglich zweimal die Milchkühe betreut, müssen gewürdigt werden.“
Der BDM vertritt klar die Position, dass der Bauer Ausgleichszahlungen brauche, solange er nicht vom Lohn seiner Arbeit leben könne. Reinl betonte, dass die Milcherzeuger in die Lage versetzt werden müssten, Einfluss auf die am Markt angebotene Milchmenge zu nehmen und diese in Eigenverantwortung flexibel an die Nachfrage anzupassen. „Nur so können längere und massive Preiseinbrüche verhindert und größere Wertschöpfungsverluste vermieden werden.“
Ferner komme es auf ein gemeinsames Auftreten gegenüber den Molkereien an. „Aktuell ist das nicht der
Fall, die Milchbauern erfahren erst einen Monat nach Milchlieferung, welchen Preis die Molkerei für die Milch bezahlt.“ Eine Mengensteuerung werde es ohnehin geben.„Wenn das nicht die Politik macht, dann macht es die Molkerei.“
Bildunterschrift: Auf dem Lindner-Hof in Enzenrieth schärfte Milchbauern-Aktivist Werner Reinl (rechts) dem Europaparlamentarier Wolfgang Kreissl-Dörfler (Dritter von rechts) ein, dass es nicht hinnehmbar sei, dass der Bauer erst einen Monat nach der Milchlieferung erfahre, welchen Preis die Molkerei dafür zahle.
aus Der Neue Tag, Bild und Text: zer