Die Oberpfälzer SPD-Abgeordnete Annette Karl beklagt das regionale Gefälle bei den Abiturquoten. Sie fordert: „Bildung darf nicht vom Wohnort abhängen“.
Die Oberpfälzer SPD-Abgeordnete Annette Karl kritisiert die großen regionalen Unterschiede bei den Schulabschlüssen in Bayern. Sie macht die CSU für Fehlentwicklungen verantwortlich. Karl reagiert auf neueste Zahlen des Statistischen Landesamt, nach denen in Oberbayern 34,7 Prozent aller Schüler mit der Hochschulreife abschließen, in Niederbayern hingegen nur 17,5 Prozent. Für die wirtschaftspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion ist das Gefälle bei den Abiturquoten der Beweis, dass gleichwertige Lebensbedingungen in Bayern in weiter Ferne liegen. Die Intelligenz sei in Bayern mit Sicherheit gleichmäßig verteilt. „Die Oberpfälzer und Niederbayern sind nicht dümmer als die Oberbayern, die Ländler nicht dümmer als die Städter.“
Beim Vergleich einzelner Landkreise trete die Kluft besonders eklatant hervor. „So machen in München 48,7 Prozent der Schüler Abitur, in den Landkreisen Tirschenreuth und Freyung-Grafenau nur 12,4 Prozent.“ Der Landkreis Cham liegt mit 12,6 Prozent nur hauchdünn besser. Geringe Abiturquoten seien im gesamten Grenzgürtel zu Tschechien zu beobachten,sagt Karl. Als Ursache sieht sie die immer längeren Schulwege im ländlichen Raum. Eltern überlegten es sich genau, ob sie ihren Kindern stundenlange Fahrten zumuten sollen. „Ich fordere die Staatsregierung auf, nicht weiter mit Schulschließungen Lehrerstellen einzusparen, sondern den wohnortnahen Schulbesuch bis zum Abitur in allen Regionen Bayerns zu ermöglichen.“ Karl wünscht eine Bestandsgarantie für alle Grundschulstandorte und die Erprobung alternativer Schulkonzepte wie der Gemeinschaftsschule. „Bildung darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen, aber auch nicht vom Wohnort der Eltern“, sagt Karl.
(Quelle: MZ vom 18. Juni 2014; is)