Über Bevölkerungsentwicklung, Strategien gegen Abwanderung und Anpassung an sinkende Einwohnerzahlen referierte die Landtagsabgeordnete Annette Karl bei einer vom SPD-Ortsverband Partenstein organisierten Infoveranstaltung in der Bahnhofgaststätte. Zur Diskussion eines „brandheißen Themas“ begrüßten Vorsitzender Dirk Mehrlich und Marc Steigerwald, Koordinator des Arbeitskreises Demografischer Wandel, rund 25 Bürgerinnen und Bürger sowie Vertreter aus der Politik.
Die Bevölkerung wird älter. Dem gegenüber werden immer weniger Kinder geboren. Das, so Annette Karl , sei demografischer Wandel, den es zu gestalten gelte. Man habe die vergangenen Jahre in ganz Bayern mit eklatanter Bevölkerungsverschiebung zu kämpfen. Zahlreiche junge Menschen zieht es für Job oder Studium in die Städte, während ländliche Regionen massive Verluste zu verzeichnen haben. Bereits hier könne die Politik ansetzen, beteuert Karl. Arbeits- und Ausbildungsplätze müssten geschaffen, Schulen sichergestellt und vernünftige Kinderbetreuung eingerichtet werden, um auch auf dem Land die Zukunft zu sichern.
Die Realität sehe momentan vielerorts anders aus. In ländlichen Regionen werden Schulen geschlossen, in München die Bildungsplätze teilweise verlost. In den letzten Jahren wurden bayernweit über 700 Schulstandorte aufgelöst. Besonders betroffen sind die kleinen Schulen auf dem Land. „Eine wohnortnahe Schule soll kein Luxus sein, sondern Teil gleichwertiger Lebensbedingungen“, fordert die Referentin. Es müsse dringend mehr Geld von Staatsseiten her, denn Lehrstunden zu kürzen oder Klassen zusammenzulegen sei keine Lösung.
Die Sozialdemokraten, so Karl, sehen Gemeinschaftsschulen als mögliche Antwort auf das Schulsterben in Bayern. De facto haben Schüler immer weitere Strecken zurückzulegen. Je provinzieller der Heimatort, desto mehr wird der Schulweg zum Kampf. Die Busse fahren oftmals unregelmäßig. Für ältere oder bewegungseingeschränkte Menschen sind Arztbesuche ein großes Problem. In interkommunaler Zusammenarbeit wären auch hier Anpassungen möglich. Taxis oder Kleinbusse seien zwar in der Anschaffung teuer, lohnten sich aber auf Dauer.
Den Partensteinern lag besonders das Thema medizinische Versorgung am Herzen. Der örtliche Arzt wird seine Praxis bald aufgeben, kein Nachfolger ist in Sicht. Auch andernorts könnten viele Hausärzte auf dem Dorf ihren Praxissitz bald nicht mal mehr verschenken, so Annette Karl. In München hingegen könne man mit Ärzten schier die Straßen pflastern.
„Das Modell Hausarzt läuft aus“, erklärt Karl weiter. Es müsse über ortsübergreifende Ärztezentren nachgedacht werden. In der auf den Vortrag folgenden Diskussionsrunde fällt der Begriff Teufelskreis aus den Reihen der Zuhörer: „Ohne funktionierende Infrastruktur kommt sicher kein Arzt ins Dorf, ohne Arzt gibt's auch keine Schule.“
In Partenstein stünden Häuser im Ortskern leer und neben der Arztpraxis, die schließt, herrscht zudem Überalterung. Was die Bürger tun können, fragt Marc Steigerwald. Es sei wichtig, Druck zu machen auf die Politik, antwortet Karl. Hans Born will von MdL Harald Schneider wissen, ob es ein Modell gibt, an dem sich Partenstein orientieren kann. Gerade in Sachen Erneuerbare Energie seien einige Orte bereits erfinderisch und erfolgreich gewesen. Retzstadt gründete unter Schirmherrschaft des Bürgermeisters eine Energiegenossenschaft, so Schneider. Jedes Gemeindedach sei dort nun mit Solarplatten ausgestattet.
„Solche Projekte können in einem halben Jahr aufgezogen werden und stärken den Zusammenhalt einer Ortschaft ungemein“, so der Abgeordnete.
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(Quelle: Mainpost vom 17. April 2013; eva)