Sonst droht vor allem zulasten der Senioren Konzentration von Geschäften auf der 'grünen Wiese' und Verschlechterung des wohnortnahen Einkaufs
Sonst droht vor allem zulasten der Senioren Konzentration von Geschäften auf der 'grünen Wiese' und Verschlechterung des wohnortnahen Einkaufs
"Keine Zugeständnisse in Sachen Ladenschluss" fordert die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Christa Naaß, im Hinblick auf die derzeit geführten Diskussionen im Zusammenhang mit den Koalitionsverhandlungen der CSU mit der FDP. "Mit der Abschaffung des Ladenschlusses wäre eine weitere Kommerzialisierung des gesellschaftlichen Lebens verbunden", fürchtet Naaß. "Es droht eine verstärkte Konzentration von Geschäften auf der 'grünen Wiese' und damit eine Verschlechterung des wohnortnahen Einkaufs, insbesondere außerhalb der Städte."
Von der Verödung des ländlichen Raumes wären vor allem Senioren betroffen. Für kleine Einzelhändler, Handwerker und mittelständische Betriebe ist die vermeintliche Liberalisierung Existenz gefährdend, da sich lange Öffnungszeiten bei gleich bleibenden oder gar rückläufigen Umsätzen und zusätzlichem Personalbedarf nicht rechnen würden. Schon die Verlängerung der Ladenöffnungszeiten auf 20.00 Uhr hat ergeben, dass dies zu keiner Zunahme von regulären sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen geführt hat. "Das Gegenteil war der Fall", erinnert die SPD-Politikerin.
Außerdem wäre die ,Liberalisierung des Ladenschlusses' familien- und frauenpolitisch ein Rückschritt. Einzelhandelsarbeitsplätze sind überwiegend Frauenarbeitsplätze. Schichtdienst und Sonntagsarbeit zerreißen schon jetzt die Familien. Insbesondere für Alleinerziehende wäre die Vereinbarkeit von Beruf und Kindern durch eine weitere Aufweichung der Ladenschlusszeiten nahezu unmöglich.
"Das öffentliche und private Angebot an Kinderbetreuungseinrichtungen in Bayern orientiert sich schon jetzt nicht an den Öffnungszeiten des Einzelhandels und Betreuungsmöglichkeiten für Kinder unter drei Jahren sind Mangelware", kritisiert Christa Naaß. Zudem ist der öffentliche Nahverkehr nicht auf einen "24-Stunden-Betrieb" ausgerichtet und auch nicht finanzierbar. "Was machen dann die Frauen, die irgendwann in der Nacht Schichtwechsel haben? Müssen sie mit dem Taxi nach Hause fahren oder im Dunkeln heim laufen?"
Schichtdienst und Sonntagsarbeit gefährden auch den inneren Zusammenhalt der Gesellschaft. Das Engagement Ehrenamtlicher würde stark beeinträchtigt. Jugendarbeit, Sportvereine und das breite Feld der Wohlfahrtsarbeit könnten veröden, befürchtet die stv. Fraktionsvorsitzende.
"Wir wollen keine Rund-um-die-Uhr-Gesellschaft" stellt Naaß fest. "Schon derzeit arbeiten bereits mehr als 17 Millionen Menschen in Deutschland nachts, am Wochenende oder in Wechselschichten. Die Freigabe der Ladenöffnungszeiten wird diese Quote noch weiter erhöhen."
"Ich hoffe, dass die CSU wenigstens diesmal steht und in dieser Frage keine Zugeständnisse gegenüber der FDP macht" so die SPD-Politikerin und erinnert an das "Herumgeeiere" der CSU im November 2006, als es genau um dieses Thema ging.
Homepage Christa Naaß, Bezirkstag